
Kloster Poio in Galicien
Kreuzgänge, Bücher und ein Jakobsweg aus Mosaik
Vier Kilometer von Pontevedra entfernt liegt ein Kloster, in dem sich Galiciens Geschichte ungewöhnlich anschaulich erschließt: San Xoán de Poio, auf Spanisch San Juan de Poio: Zwei Kreuzgänge, reiche Ausstattung, riesige Bibliothek. großer Getreidespeicher und Mönche, die sich um die Seelsorge in Gefängnissen kümmern, die Mercedarier. Wer die Südküste Galiciens bereist, verbindet den Besuch am besten mit Pontevedra und dem nahen Fischerort Combarro.
von Tobias Büscher
Angeblich hat ein gewisser Fructuosus von Braga (heute Portugal) das Kloster schon im 7. Jahrhundert gegründet, historisch belegbar existiert es aber erst seit dem Jahr 942. Sicher ist auch: Die Nähe zum Atlantik und den Äckern machten die Mönche immer wohlhabender. 1548 schloss sich Poio der Benediktinerkongregation von San Benito de Valladolid an und im 16. Jahrhundert gab es eine Schule für den klerikalen Nachwuchs, damals noch sehr gefragt.
Doch im Jahr 1835 war es mit dem Reichtum vorbei. Sämtliche Klöster in Spanien wurden zunächst enteignet. Erst 1890 zog die Mercedariergemeinschaft aus Conxo bei Santiago de Compostela wieder ein und machte die marode Anlage wieder fitt. Übrigens: Der Orden der Mercedarier heißt nicht ohne Grund Händler: Ab dem 13. Jh. sammelten sie Spenden, um gefangene Christen freizukaufen. Heute betreiben sie passenderweise Gefängnis-Seelsorge.
Seit 1971 steht das Ensemble als historisch-künstlerisches Denkmal unter Schutz. Die Hospedería führt seine Tradition als Ort der Gastfreundschaft fort.
Vom Mittelalter bis zur Mosaikkunst
Den ältere Kreuzgang, der Claustro de las Procesiones realisierte Ende des 16. Jahrhunderts Baumeister Mateo López, nicht zu verwechseln mit seinem früher lebenden Star-Baumeister Mateo aus Santiago de Compostela.
Normal für diese Zeit: Renaissanceformen treffen auf sternförmige Gewölbe und Säulen mit Figuren aus Granit. Im Hof steht ein Brunnen nach portugiesischem Vorbild. Der zweite historische Kreuzgang, Claustro de la Portería oder de los Naranjos, entstand in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Kultig darin ist ein relativ neues Jakobswegmosaik. Auf rund 200 Quadratmetern wird der Pilgerweg zum Bildpanorama.
Ansonsten ähnelt die Kirche den umliegenden sehr, es ist ein Mix aus Renaissance und Barock mit zwei Türmen, im Inneren zieht der Hauptaltar mit seinen gedrehten salomonischen Säulen den Blick auf sich.
Und dann ist da noch der große Hórreo im Garten, ein Maisspeicher, den sich auch Privatleute vor die Tür stellen als Beleg für Wohlstand. Und in der Bibliotheksangaben stehen angeblich über 100.000 Bände. Das älteste Buch stammt von 1501 und thematisiert die Philosophie. Um die Bibliothek zu besichtigen, braucht man allerdings eine Lizenz.
Mosaikstar Machourek, Nonne Trahamunda
Mit Poio sind vor allem der überlieferte Gründer Fructuosus von Braga, der Architekt Mateo López und der Mosaikkünstler Antoine Machourek verbunden. Machoureks Werke sind auch im Klostermuseum ausgestellt.
In der Kirche befindet sich außerdem das Grab der Nonne Trahamunda, die zur Zeit der Gründung des Klosters die Gläubigen getröstet haben soll, die unter morriña (Heimweh) litten. Sie ist in Nordwestspanien relativ bekannt, vor allem durch die spätere Emigration nach Lateinamerika im 19. Jahrhundert und während des Spanischen Bürgerkriegs.
Das Kloster liegt in der Gegend Salnés, von der die berühmte Schriftstellerin Emilia Pardo Bazán einmal schrieb, es sei „la comarca más pintoresca que pueda soñarse“ (die malerischste Landschaft, die man sich vorstellen kann“.
Vergleich zu anderen Klöstern
Vergleich: welches galicische Kloster passt zu welcher Reise?
• Poio: Kreuzgänge, Mosaik und die ungewöhnlichen Klosterbewohner mit ihrem großen Maisspeicher sind durchaus eine Attraktion. Kurios daran: im nur wenige Kilometer entfernten Combarro stehen diese Hóreos direkt am Wasser.
• Armenteira: Das nahe Kloster in Meis setzt mit seiner mittelalterlichen Zisterzienserkirche, Rosette und klaren Raumformen einen anderen architektonischen Akzent. Es ist eine passende Ergänzung zu Poio und liegt ebenfalls am Portugiesischen Jakobsweg.
• Oseira: Die große Zisterzienseranlage im Landesinneren bei Ourense verbindet mittelalterliche Kirchenarchitektur mit späteren Renaissance- und Barockbauten. Wer statt der Rías Baixas eine ausgedehnte Klosterlandschaft im Binnenland erleben möchte, findet hier einen anderen Schwerpunkt. Die Anlage hat schon den Schriftsteller Graham Greene fasziniert, der hier seinen Roman Don Quixote schrieb als Parodie auf Cervantes berühmtes Ritterbuch.
• Santo Estevo de Ribas de Sil: Drei Kreuzgänge und die Lage in der Ribeira Sacra machen das ehemalige Benediktinerkloster zum Ziel für Architektur- und Landschaftsreisende. Anders als Poio wird der Komplex heute als Paradorhotel genutzt.
Besuch des Poio Klosters
Öffnungszeiten vaariieren stark. Kontakt für das Kloster: 0034 986 770 244; E-Mail: monasteriopoio(a)mercedarios.com
Adresse: Praza do Convento 2, 36995 Poio, Provinz Pontevedra. Für den Rundgang sollte man mindestens eine Stunde einplanen.
Quellen
Besuch des Autors vor Ort im August 2026 während seiner Recherche für den Reiseführer Galicien & Jakobsweg, Infoamt von Poio, O Salnés und Turismo de Galicia.
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