
Combarro in Galicien
Hórreos am Meer, Granitgassen und Ausflüge in die Rías Baixas
Combarro liegt sechs Kilometer westlich von Pontevedra an der Bucht Ría de Pontevedra. Der denkmalgeschützte Ortskern mit schmalen Gassen, Granithäusern und mehreren Maisspeichern (hórreos) direkt am Wasser ist in der Nebensaison ein echter Tipp für Besucher.
Von Tobias Büscher
Nur im Reisemonat August ist der berühmte Ort ziemlich überfüllt. Dann kommen jede Menge spanische Touristen, um im Ortskern Selfies zu machen und auf den Restaurantterrassen nach einem freien Tisch zu suchen, zumal die Meeresfrüchte dort sehr frisch sind. Entsprechend feiert der Ort das Fest der Miesmuscheln (mejillón) im August, und dann sind alle Zimmer ausgebucht.
Ein Highlight ist der historische Ortskern in der Gemeinde Poio mit seinen Gassen Rúa do Mar und Rúa de San Roque und den Maisspeichern. Fischerhäuser mit Balkonen, kleine Tavernen und Souvenirshops, in denen Plastik-Hexen (Meigas genauso zum Verkauf stehen wie leicht überteuerter Weißwein im Dreierpack.
Als der galicische Maler Luis Fonseca 1929 in den Ort kam, malte er ihn so, wie ihn heute noch viele erträumen: Als pittoresker Fischerort am Atlantik. Doch dafür sind die großen Parkplätze für die Busse am Hafen inzwischen etwas zu groß. Tipp daher: In der Nebensaison ist der Stadtkern für einen Besuch wesentlich ruhiger.
Fischerortidylle wie in einem galicischen Märchenbuch
• Hórreos an der Uferlinie: Rund die Hälfte der erhaltenen Speicher steht am Meer – das bekannteste Fotomotiv Combarros.
• Cruceiros: Sieben Granitkreuze aus dem 18. bis 20. Jahrhundert prägen Plätze und Wegkreuzungen. Bei vielen blickt Maria zum Meer, Christus ins Landesinnere.
• Praza da Fonte und Praza de San Roque: Zwei gute Stationen, um Architektur, Kreuze und Dorfgeschichte zusammenzulesen.
• Peirao und Praia do Padrón: Der alte Fischerhafen und der bei Ebbe begehbare Strand öffnen den schönsten Blick auf die Speicherreihe.
• Galicische Küche: In den Lokalen am Wasser stehen häufig Pulpo, Muscheln, Fisch und Albariño auf der Karte.
Geschichte: vom Klosterbesitz zum Denkmalort
Combarros Geschichte ist seit dem 12. Jahrhundert eng mit dem Kloster San Xoán de Poio verbunden: Königin Urraca übertrug die Siedlung dem Kloster, dessen Einfluss bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts reichte.
Landwirtschaft und Fischerei bestimmten den Alltag. Weil nutzbarer Boden knapp war, drängten sich Häuser und Speicher an die Granitkante der Ría. Viele Fischerhäuser nutzten das Erdgeschoss als Lager für Netze, Geräte oder eine kleine Weinpresse; darüber lag der Wohnbereich mit Balkon zum Meer. 1972 wurde das nahezu geschlossen erhaltene Ensemble als kunsthistorisch und malerisch bedeutender Ort geschützt.
Hórreos: Markenzeichen Maisspeicher
Hórreos sind erhöhte Getreidespeicher. Steinfüße halten den Bau vom feuchten Boden fern; breite Auflageplatten erschweren Nagetieren den Zugang, und Schlitze sorgen für Luftzirkulation.
In Combarro verbinden viele Exemplare Granit und Holz und heißen lokal auch palleiras. Etwa 60 Speicher sind erhalten, ungefähr 30 davon reihen sich an der Küste. Die meisten stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Ihre unmittelbare Lage am Wasser ist nicht bloß dekorativ:
Sie sparte wertvolle Ackerfläche und brachte die Vorräte nahe an Wohnhäuser und Arbeitsplätze. Einen vertiefenden Überblick bietet der Beitrag Hórreos: Galiciens Maisspeicher im Spanien-Reisemagazin.
Combarro im Reisebuch
Der DuMont Reise-Taschenbuch Reiseführer „Galicien & Jakobsweg“ von Tobias Büscher erschließt Galicien regional und verbindet Orte, Landschaften, persönliche Tipps und Entdeckungstouren. Combarro passt darin als charakteristischer Halt an den Rías Baixas:
Das Dorf lässt sich gut mit Pontevedra, dem Kloster von Poio und der Küste um O Grove und Arousa kombinieren. Wer mit dem Buch reist, sollte Combarro nicht nur als Fotostopp betrachten, sondern für einen langsamen Rundgang durch Gassen, Uferzone und Fischerhafen einplanen.
Ausflüge in die Umgebung

• Pontevedra: Nur wenige Kilometer entfernt locken die autofreundliche Altstadt, Plätze mit Arkaden, die Markthalle und die Basilika Santa María.
• Kloster San Xoán de Poio: Der geschichtlich eng mit Combarro verbundene Klosterkomplex liegt praktisch vor der Haustür.
• Cambados: Herrenhäuser, Granitplätze und Albariño-Wein machen den Ort zu einem Klassiker der Rías Baixas.
• O Grove und A Toxa: Halbinsel, Strände, Muschelkultur und Bootsausflüge auf der Ría de Arousa.
• Illa de Arousa: Inselstraßen, kleine Häfen, Leuchtturm und Naturpark Carreirón – mehr dazu im Spanien-Reisemagazin unter Illa de Arousa: Vom Piratennest zum Ausflugsziel.
• Galicien weiterdenken: Für längere Etappen helfen der Galicien-Guide für den Urlaub, der Überblick Grünes Galicien im Nordwesten Spaniens und das Interview Wo es in Galicien am schönsten ist.
Praktische Tipps
• Zeitbedarf: Zwei bis drei Stunden für den Ortskern; mit Essen oder Strandspaziergang ein halber Tag.
• Beste Tageszeit: Früh oder gegen Abend ist es ruhiger. Für den Blick vom Praia do Padrón den Gezeitenstand beachten.
• Anreise: Combarro liegt westlich von Pontevedra an der Küstenstraße Richtung Sanxenxo. Parken ist außerhalb des historischen Kerns sinnvoll.
• Respektvoll besuchen: Die engen Gassen sind Wohnraum. Türen, Balkone und Hórreos nur von öffentlichen Wegen aus fotografieren und Durchgänge freihalten.



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