
Zamora in Zentralspanien
Kunst, Geschichte, Charme: Kastiliens kaum bekannte Metropole
Zamora ist eine Stadt in Kastilien nahe Portugal, eine lebhafte Metropole mit viel Geschichte und für einen Besuch sehr interessant. In der Karwoche genauso wie im Hochsommer
Tobias Büscher (Text und Fotos)
Als Román Socio (25) seinen Job als Kellner aufgab, hatte er eine Vision: Seiner Großmutter das eher unbekannte Spanien zeigen, das sie wie 10.000 andere nach dem Bürgerkrieg verlassen hatte, um sich in Argentinien ein neues Leben aufzubauen.
Román legte los, wie er El País berichtet. Er hat auf TikTok schon eine halbe Million Follower und eine davon ist seine Großmutter selbst. Auch Zamora gehört zu seinen Zielen, eine Stadt, die vielleicht deshalb so wenige Spanientouristen besuchen, weil sie nahe der portugiesischen Grenze wie im Niemandsland Kastiliens liegt.
Tourismusphobie, ein Wort, dass die RAE 2025 in ihr Lexikon aufgenommen hat, gibt es dort jedenfalls nicht.
"Halb-fabelhaftes Königreich"
Mit 60.000 Einwohnern ist Zamora ungefähr so groß wie Gießen und hat ähnlich wenig Besucher. Doch während die hessische Stadt vor allem für das Bauwerk Elefantenklo (eine Brücke) bekannt ist, gibt Zamora schon etwas mehr her:
Es gibt in der Stadt 22 romanische Kirchen und 19 Jugendstilbauten, was für die Größe beachtich ist. Dennoch schrieb der Journalist Andrés Campos einmal, sei die Stadt “Tierra Incognita, ein halb-fabelhaftes Königreich”.
Die Fakten: Es ist eine Provinzhauptstadt in Kastilien und León am Fluß Duero, 200 km nordwestlich von Madrid nahe Portugal mit Spitzname Ciudad del Románico.
Die Stadt war in der Römerzeit eine wichtige Siedlung nahe der späteren Vía de la Plata.Im Hochmittelalter war sie eine Grenzstadt der Reconquista, also der Rückeroberung der maurisch besetzten Gebiete.
Ein wichtiges Jahr war dabei 1072, als Sancho II von Kastilien von en Mauren getötet wurde. Daraus entstand das spanische Sprichwort „No se ganó Zamora en una hora“ („Zamora wurde nicht in einer Stunde erobert“). Diese Episode ist eng mit dem Krieger El Cid verbunden, über den unsere Autorin Eva Schürg schreibt.
Im 12. und 13. Jahrhundert entstanden die Kathedrale und die meisten romanischen Kirchen, die das Stadtbild bis heute prägen. Anfang des 20. Jahrhunderts folgten die Jugendstilbauten, die meisten entworfen von dem Katalanen Francesc Ferriol. Zamora gehört heute zur Europäischen Route des Jugendstils.
Top-Sehenswürdigkeiten in Zamora



1. Catedral de Zamora: Die romanische Kathedrale (12. Jh.) ist einzigartig wegen ihres schuppenartigen Steindachs. Im Kathedralmuseum sind kostbare flämische Wandteppiche zu sehen. Gut gesichert übrigens, da ziemlich wertvoll.
2. Castillo de Zamora: Die mittelalterliche Burg liegt direkt neben der Kathedrale und bietet von ihren Mauern aus einen herrlichen Blick über den Duero und die umliegenden Weinfelder.
3. Puente de Piedra: Die mittelalterliche Steinbrücke überspannt den Duero. Besonders schön ist der Blick vom Südufer auf die Altstadtsilhouette bei Sonnenuntergang.
4. Aceñas de Olivares: Mittelalterliche Wassermühlen am Duero-Ufer mit einem kleinen Museum zur Geschichte der Mühlen.
5. Plaza Mayor: Das Herz der Stadt mit der romanischen Kirche San Juan de Puerta Nueva, dem alten Rathaus und der Bronzestatue des Merlú, einer Symbolfigur der Karwoche.
6. Iglesia de la Magdalena: Eine der schönsten romanischen Kirchen Zamoras, berühmt für ihr reich verziertes Südportal und ein außergewöhnliches Grabmal im Inneren.
7. Stadtmauern und Puerta de Doña Urraca: Reste der mittelalterlichen Befestigung mit dem nach der Königin benannten Tor sowie dem „Portillo de la Traición“, wo der Legende nach Bellido Dolfos 1072 nach dem Mord an König Sancho II. in die Stadt floh.
8. Museo de Semana Santa: Ein Muss für alle, die die Karwoche nicht live erleben: Die Prozessionsfiguren (pasos) aus mehreren Jahrhunderten sind beachtlich. .
9. Modernismo-Route: Rund um die Calle Santa Clara und die Plaza de Sagasta stehen Jugendstilgebäude wie die Casa Prada. Damit ist Zamora eine echte Konkurrentin für Barcelona mit ihren Gaudí-Bauten.
10. Museo Etnográfico de Castilla y León: Ein modernes Museum zu Alltagsleben, Bräuchen, Trachten und Festen der Region – ideal für einen Regentag und eine gute Einführung in die Kultur Kastiliens.




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