
Der Landschaftsmaler Manuel Colmeiro Guimarás
Eine Vita zwischen Buenos Aires und Bauernporträts
Manuel Colmeiro Guimarás (*1901–1999) gehört zu den international eher unbekannteren spanischen Künstlern. Der Galicier malte verblüffend einfach, harmonisch, frei von Kitsch und Folklore. Und genau das macht seine Kunst aus.
von Tobias Büscher
Pontevedra - Ein Kumpel hatte mir den Tipp gegeben. Auch wenn die Sonne scheint, sagte er, geh mal in den modernen Teil des Museums von Pontevedra und frag, wo die Bilder von Manuel Colmeiro Guimarás hängen. Den Namen hatte ich vorher noch nie gehört. Doch der Tipp war klasse. Ein Maler ist das, der vom Land kommt, der selbst in der Künstlermetropole Paris noch die Kühe seiner Heimat malte. Und zwar so simpel und real gleichermaßen, dass es Spaß macht.
Doch der Reihe nach: Colmeiro Guimarás kam im galicischen Nieselregen auf die Welt, irgendwo zwischen Maisspeichern, Wegkreuzen und der Ortschaft Silleda. Das sollte seine spätere Malerei stark beeinflussen.
Schon mit zwölf Jahren wurde aus dem Landei ein Stadtkind. Ihn ereilte das Schicksal vieler Galicier damals. Aus Hungersnot nahm seine Familie das Schiff in Richtung Buenos Aires. Dort arbeitete der junge Manuel kurz darauf in einer Schuhfabrik. Und nahm Malunterricht.
Sein Lehrer muss ziemlich gut gewesen sein, denn mit 25, gerade nach Galicien zurückgekehrt, bekam er in Vigo seine erste Ausstellung. Seine bedacht gewählten Pinselstriche überzeugten, er stellte bald schon in Bilbao und Barcelona aus, lernte Emilia kennen und sollte dreifacher Vater werden.
Guimarás, so schien es, hatte es geschafft. Journalisten und Kunstkritiker nannten ihn schon im selben Atemzug wie Luís Seoana, einem Weggefährten von Maruja Mallo. Er gehörte der Gruppe Os Novos an (Die Neuen). Nur zur Ruhe kam er nicht.
Wieder musste er das Schiff nehmen, schon wieder Richtung Buenos Aires. Diesmal war es der Spanische Bürgerkrieg. Seine Biografie ist typisch für viele spanische Künstler und Modeschöpfer dieser Zeit. Buenos Aires war der Fluchtort, Paris das Traumziel.
Colmeiro Guimarás kam im Jahr 1949 und blieb in der französischen Hauptstadt vier Jahrzehnte. Erst im hohen Alter kehrte er zurück in seine Heimat. Der schlanke Mann mit der markant großen Nase ließ sich auf den Boulevards gerne in Anzug und Krawatte ablichten, wie das Onlineportal Manuel Comeiro zeigt. Er liebte Paris. Doch auf die Leinwand brachte er fast ausschließlich das nordwestspanische Landleben.
Einfach? Einfach gut
Colmeiro Guimarás Bildsprache ist klar strukturiert. Seine ersten berühmten Werke strahlen aber vor allem eines aus: Stille. Weit weg von seiner Heimat malte er galicische Landarbeiter, Marktfrauen, Wäsche, Brot und Werkzeug, seine Bildtitel tragen entsprechend Namen wie Mañán de primaveira und Tarde nos prados do Muiño.
Wohl am berühmtesten sind die beiden Werke Die Wäscherinnen (Lavandeiras) und Pflügen (Arando, siehe Foto oben). Und wo sind sie zu sehen? Die meisten im Museo de Bellas Artes in A Coruña (Lavandeiras, Figuras con manzanas, Mujer con jarrón y flores), in den Galerías Pacífico in Buenos Aires, im Reina Sofia in Madrid und im Museo de Pontevedra, das digital 19 seiner Arbeiten sichtbar gemacht hat, darunter Maternidad, Ermida de San Blas und Tres Mulleres.
Erkenntnis nach dem Besuch: Es geht auch mal ohne Picasso, Miró und Dalí.
Und abschließend noch ein Tipp: Die Bilder sind teils online sichtbar, doch vor Ort ist das cooler. Rund um das Museum in Pontevedra (Eintritt frei) gibt es in der autofreien Altstadt ziemlich gute Tapa-Bars, siehe Infos zu Pontevedra
Praktische Infos
Pontevedra: Die Dauerausstellung zeigt viele seiner Werke in den Gebäuden Castelao und Sarmiento. Edificio Castelao, Rúa Padre Amoedo Carballo 3, Di-Sa 10-21 Uhr, Sa und So 11-14 Uhr.
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