Luis Tosar im Porträt

Von Lugo auf die Leinwand: Spaniens Schauspielstar

Drei Goyas, internationale Filmrollen und eine Karriere zwischen Sozialdrama und Thriller: Luis Tosar ist nicht nur wegen seines einprägsamen Blicks einer der prägenden Gesichter des spanischen Kinos. Er kam in der Provinz Lugo zur Welt, weit weg von Filmmetropolen wie Madrid und Barcelona. Und arbeitete sich dann klassisch über das Theater nach oben, bis er auf dem Barhocker ein wegweisendes Erlebnis hatte.

von Tobias Büscher

Viele kennen Luis Tosar  aus „Montags in der Sonne“, „Öffne meine Augen“ und „Zelle 211“. Aber wie kam es dazu? Ein Schlüsselerlebnis war für den Mann war nach Rollen im Theater und Lokalfernsehen ein Kneipenbesuch im Pub Matadero in Santiago de Compostela. Er traf dort den Regisseur Dani de la Torre, einen der bekanntesten Filmemacher Spaniens. Und das führte zu mehr als einer Freundschaft.

Dani de la Torre hält viel von ihm, wie er mir im Interview im Sommer 2026 erzählte. Und tatsächlich ist Luis Tosar längst so bekannt wie Torres Stars im Film Agent Zeta: Mario Casas und Luis Zahera.

Doch beginnen wir von Anfang an: Luis López Tosar kam am 13. Oktober 1971 in der Provinz Lugo in Galicien zur Welt, in der völlig entlegenen Gemeinde Cospeito. Unstrittig ist seine Verwurzelung im ländlichen Galicien. Wer die Region kennenlernen möchte, findet im Spanien Reisemagazin ein Porträt der Stadt Lugo.

Begeistert vom Schauspiel war er schon als Schüler. Danach, während seines Geschichtsstudiums, nahm er Theaterrollen in Santiago de Compostela an. Theaterarbeit und Kurzfilme wechselten sich ab. Ende der 1990er-Jahre machte ihn die galicische Fernsehserie „Mareas Vivas“ regional bekannt: als Friedensrichter Andrés.

Sein Kinodebüt gab er 1998 in „Atilano, presidente“. Mit Icíar Bollaíns „Flores de otro mundo“ folgte 1999 eine frühe wichtige Rolle, die ihm seine erste Goya-Nominierung einbrachte. Neben der Schauspielerei ist Tosar auch als Guitarist und Frontmann aktiv in der Rockband Di Elas. Mit der chilenischen Schauspielerin María Luisa Mayol aus Santiago de Chile (nicht Compostela) hat er zwei Kinder.

Filme, die seine Karriere prägten

Der landesweite Durchbruch kam mit „Los lunes al sol“ („Montags in der Sonne“, 2002). Unter der Regie von Fernando León de Aranoa spielte Tosar neben Javier Bardem den arbeitslosen José.

Im folgenden Jahr entstand „Te doy mis ojos“ („Öffne meine Augen“, 2003), erneut mit Icíar Bollaín. Beide Filme wurden zu Meilensteinen seiner Karriere und brachten ihm seine ersten beiden Goyas. Mit Daniel Monzóns „Celda 211“ („Zelle 211 – Der Knastaufstand“, 2009) und der Rolle des Gefangenen Malamadre folgte der dritte.

Internationale Erfahrungen sammelte Tosar unter anderem bei Michael Manns „Miami Vice“ (2006) und Jim Jarmuschs „The Limits of Control“ (2009). Zu seinen weiteren wichtigen spanischen Arbeiten zählen „También la lluvia“ („Und dann der Regen“, 2010), „Mientras duermes“ („Sleep Tight“, 2011), „Maixabel“ (2021) und „En los márgenes“ (2022). Seine Filmografie verbindet damit Autorenkino, gesellschaftlich geprägte Geschichten und publikumswirksame Thriller.

Luis Tosar und Dani de la Torre: Wie die Zusammenarbeit entstand

Für Dani de la Torres Spielfilmdebüt „El desconocido“ („Anrufer unbekannt“, 2015) war Tosar der Hauptdarsteller. Wie der Regisseur 2015 in einem Interview erläuterte, legte er der Produktionsfirma Vaca Films zunächst eine Ausarbeitung der Geschichte vor. Das Projekt überzeugte sowohl die Produzenten als auch Tosar; anschließend wurde Alberto Marini für das Drehbuch hinzugezogen. So lässt sich der Weg zu ihrem ersten gemeinsamen Spielfilm nachvollziehen.

Gedreht wurde „El desconocido“ im Sommer 2014 in der galicischen Hafensstadt A Coruña. Tosar spielt den Bankangestellten Carlos, dessen gewöhnliche Autofahrt durch einen anonymen Anruf aus dem Gleichgewicht gerät. Der spanische Kinostart folgte am 25. September 2015.

Drei Jahre später arbeiteten Schauspieler und Regisseur erneut zusammen: In „La sombra de la ley“ („Gun City“, 2018) übernahm Tosar die Rolle des Polizisten Aníbal Uriarte im Barcelona des Jahres 1921. Mehr über Herkunft und Filmkarriere des Regisseurs bietet das Dani-de-la-Torre-Porträt im Spanien Reisemagazin.

Aktuelle Filme und Projekte

Zu Tosars jüngsten belegten Spielfilmen gehören „La deuda“ und „Golpes“, beide mit spanischem Kinostart im Jahr 2025. Hinzu kommen 2026 ein neuer Kurzfilm und eine Serienhauptrolle.

• „La deuda“ (2025): Daniel Guzmáns Sozialdrama mit Thriller-Elementen kam am 17. Oktober 2025 in die spanischen Kinos. Im Mittelpunkt stehen Lucas und Antonia, deren gemeinsames Zuhause durch Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt bedroht ist. Tosar gehört zum Ensemble und spielt Jero.

• „Golpes“ (2025): Das Spielfilm-Regiedebüt von Rafael Cobos startete in Spanien am 5. Dezember 2025. Die Handlung spielt 1982 in Sevilla. Tosar verkörpert den Polizisten Sabino, dessen Bruder Migueli, gespielt von Jesús Carroza, auf der anderen Seite des Gesetzes steht.

• „Cara y cruz“ (2026, Kurzfilm): Unter der Regie von María Bestar steht Tosar erneut mit Luisa Mayol vor der Kamera. Der Film beschäftigt sich mit der Verteilung von Verantwortung im Familienalltag. Im Oktober 2026 wurde er vorgestellt; eine Kinoveröffentlichung ist laut Projektankündigung für Frühjahr 2027 vorgesehen.

• „Salvador“ (2026, Serie): Die achtteilige Netflix-Produktion erschien am 6. Februar 2026. Tosar übernimmt die Titelrolle eines Rettungsdienstmitarbeiters und Vaters. Die Serie wurde von Aitor Gabilondo entwickelt und von Daniel Calparsoro inszeniert; sie ist kein Kinofilm.

• „La infiltrada“ (2024): Der Thriller von Arantxa Echevarría mit Carolina Yuste und Tosar erschien bereits 2024 in Spanien. In Deutschland wurde er 2026 unter dem Titel „Undercover – Unter Feinden“ auf DVD veröffentlicht. Tosar spielt Ángel, den Ansprechpartner einer verdeckten Ermittlerin.

Auszeichnungen: Drei Goyas und weitere Ehrungen

Zu seinen wichtigsten Auszeichnungen zählen:
• Goya 2003: Bester Nebendarsteller für „Los lunes al sol“ (2002).
• Goya 2004: Bester Hauptdarsteller für „Te doy mis ojos“ (2003).
• Goya 2010: Bester Hauptdarsteller für „Celda 211“ (2009).
• Silberne Muschel 2003: Bester Schauspieler beim Filmfestival von San Sebastián für „Te doy mis ojos“.
• Premio Málaga 2011: Ehrung seiner bisherigen Laufbahn beim spanischen Filmfestival von Málaga.
• Premio Gaudí 2012: Bester Hauptdarsteller für „Mientras duermes“.
• Espiga de Honor 2017: Ehrenpreis des Filmfestivals Seminci in Valladolid.
• Medalla de Galicia 2024: Anerkennung seiner Bedeutung für das galicische Kulturschaffen.
• Medalla de Oro al Mérito en las Bellas Artes 2025: Staatliche Auszeichnung für Verdienste um Kunst und Kultur; die Verleihung wurde am 16. Dezember 2025 beschlossen.

Auch später blieb Tosar regelmäßig für den Goya nominiert, unter anderem für „Maixabel“, „En los márgenes“ und „La infiltrada“. Eine Nominierung ist allerdings kein gewonnener Preis. Die drei oben aufgeführten Goyas bilden deshalb den Kern seiner persönlichen Goya-Bilanz.

Weiterlesen im Spanien Reisemagazin
Für den Blick hinter die Filme und auf ihre galicische Umgebung bieten sich drei Beiträge an: Dani de la Torre im Porträt stellt Tosars Regiepartner vor. Lugo – Stadt in Galicien führt in die Provinzhauptstadt seiner Herkunftsregion. Der Beitrag Live is Life: Film aus Spanien ergänzt den Blick auf Dani de la Torres Arbeit und galicische Drehorte wie die Ribeira Sacra.

Und wie geht es weiter? Regisseur Dani de la Torre dreht gerade die Fortsetzung von Agent Zeta. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er auch wieder mit Luis Tosar zusammen arbeitet.

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