Ortigueira: charmante Hafenstadt in Nordwestspanien

Geschichte, Name, Architektur, Dudelsackfestival, Markt und Einkehrtipps. Was der Ort am Atlantik alles bietet. Vor allem, wenn man mit galicischen Freunden dort ist.

Von Tobias Büscher

Ortigueira kennen Musikfreaks aus der ganzen Welt wegen dem Internationalen Keltenfestival (siehe unten). Doch auch so ist der Ort attraktiv. Ich selbst war zum Glück vor kurzem an einem Donnerstag da.

Allein der Markt ist so attraktiv, dass man nur noch staunen kann, erst Recht wenn man mit Virgina aus Santiago de Compostela, Carmen aus dem nahegelegenen Estaca de Bares und Manuel aus Ourense.

Das mache hier für immer bleiben wollen, ist auch kein Wunder. Das Rathaus von Ortigueira ist besonders fortschrittlich. Die 5400 Bewohner lieben das Kulturprogramm genauso wie die effiziente medizinische Versorgung und die guten Transportwege.

Doch zunächst ein Blick zurück: Die Besiedlung des Ortegal, das belegen Megalithgräber und Keltensiedlungen (Castros), begann vor 35.000 Jahren. Zum Ende des Mittelalters hin, konkret im Jahr 1442, erhob König Juan II. von Kastilien das Gebiet zur Grafschaft Ortigueira; Mauern, Hafen und Salzlager stärkten die Stadt. Heute liegt sie rein formal in der Provinz A Coruña.

Die Architektur haben Auswanderer nach Amerika geprägt. Die Villen derer, die wohlhabend zurückkamen, heißen Häuser der Indianos. Und die von ihnen finanzierten Schulen im Jugendstil sind heute leerstehende Ruinen, die mein Kumpel Miguel Muñiz (siehe oben) als Dokumentarfotograf immer wieder in Szene setzt mit ehemaligen Schülern, die heute sehr lebenserfahren sind.

Ort der Brennnesseln

Was aber bedeutet der Name Ortigueira? Historiker nehmen an: das hat mit dem lateinischen Wort urtica für Brennnessel zu tun.

Faible für den Dudelsack

Wobei so eine Brennnessel nicht ganz passt, denn Ortigueira hat viel mehr mit der Gaita zu tun, dem Dudelsack. Wenn man sich anguckt, wer in in der kleinen Hafenstadt wirklich groß herauskam, findet neben dem Archäologen Federico Maciñeira y Pardo de Lama (1870–1943)  und dem Geografen Julio Dávila Díaz (1871–1971) vor allem einen Musiker mit starker Wirkung: Jesús Fojo war Gründer der Dudelsackschule Escola de Gaitas de Ortigueira, aus deren Arbeit 1978 das internationale keltische Festival hervorging.

Festival Internacional do Mundo Celta

Diese Fiesta gehört seit Jahren zu den bekanntesten Folk- und Dudelsacktreffen Europas. Musiker aus Galicien, Asturien, Irland, Schottland, Wales, Cornwall und der Bretagne, treten auf den Bühnen und in den Gassen auf. 

Markenzeichen sind der Umzug der keltischen Nationen, spontane Sessions, Kunsthandwerk und der Nachwuchswettbewerb Runas. Der Eintritt zu den Hauptkonzerten Mittel Juli  ist frei.

Sehenswertes in Ortigueira

Ría de Ortigueira e Ladrido: Diese Bucht in Nordgaliciens ist ideal für Vogelbeobachter und Spaziergänger.

Casco Viejo: Historischer Ortskern rund um Santa Marta, Alameda, Hafen und die Kirche Santa Marta Hier stehen viele Villen der Rückkehrer aus Amerika.

Kloster: Convento de Santo Domingo: im historischen Klosterkomplex finden viele Kulturveranstaltungen statt.

Keltensiedlung: Castro de Punta dos Prados: Küstensiedlung bei Espasante mit Resten einer ungewöhnlichen rituellen Sauna.

Strand von Morouzos: langer Sandstrand mit Kiefernwald; während des Festivals wichtiger Treff- und Campingbereich.

Loiba-Klippen: spektakuläre Atlantikblicke; wetterfeste Kleidung und feste Schuhe sind sinnvoll.

Hafen: Porto de Espasante: Fischerhafen, Strände und gute Ausgangsbasis für Küstenwanderungen.

Wanderwege: Serra da Faladoira und Serra da Coriscada. Höhenzüge mit Megalithspuren, Wanderwegen und weitem Blick über die Küste.

Infos zum Besuch: Unterkünfte sind im Juli schnell ausgebucht; mehrere Monate vorher reservieren oder auch Espasante und die weitere Comarca einbeziehen. Bahnanschluss besteht über die Schmalspurstrecke Ferrol–Gijón; während des Festivals gibt es Sonderverkehr und lokale Shuttlebusse.

Wochenmarkt

Der Markt von Ortigueira ist so klasse, er könnte eine Partnerschaft eingehen mit dem auf dem Wilhelmsplatz in Köln Nippes. Wobei er größer ist. 

Jeden Donnerstag zwischen 9 und 14 Uhr bieten die Händler rund um die  Rúa da Alameda alles Erdenkliche an: Kartoffeln aus Verín, Fisch aus O Grove, Schinken aus der Extremadura, Tücher aus Porto und Keramik aus Sargadelos, daneben den Kultkäse Queso Tetilla aus Lalín, Turrón-Süßigkeiten aus Santiago und Tomaten aus der unmittelbaren Umgebung, das alles begleitet von Trompete, Dudelsack und Stimmengewirr der Leute, die hier fast ausschließlich Galicisch sprechen. 

Problem an diesem Tag? Eine Parklücke finden. Versuchen kann man es ja mal am nahegelegenen Sporthafen. Während des keltischen Festivals und der Patronatsfeste wird der Markt zur Avenida Juan Luis Pía Martínez im Viertel A Penela verlegt.

Bars und Fischertavernen

Direkt in Ortigueira gibt es gute Einkehrmöglichkeiten. A Cabana do Fos am Morouzos-Strand ist auf Fisch und Grillfleisch spezialisiert. Tapas und Raciones bietet A Tapería in der Avenida da Escola de Gaitas an. Os Arcos in der Rúa Manuel Sandomingo López bietet einfache Burger, Pizzas und belegte Brote (bocadillos).

Lokale und mexikanische Küche sowie Tapas gibt es im El Muelle in der Rúa Alameda. Manolo’s Xantar, nur eine verschickte SMS entfernt, bietet neben Fisch und Fleisch auch vegetarische Gerichte an. Das Mesón O Malecón in der Travesía da Alameda hat auch Pasta im Angebot und im Café Bar Colao, Avenida da Penela, sind die Mittagsmenüs günstig.

Praktische Hinweise

Die meisten Ziele im Ortskern sind zu Fuß erreichbar. Für die Klippen von Loiba, Espasante und abgelegene Aussichtspunkte ist ein Auto praktisch. Wer das Kelten-Festival besuchen möchte, sollte Monate vorher buchen.

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