Mit Abstand ... der schönste Weg

Auf dem Jakobsweg sind wieder Pilger unterwegs. Herbergen sind je nach Corona-Fällen geöffnet oder dicht. Den Stempel ersetzt eine App. Die Herbergen informieren online über die Zahl der freien Betten. Und wer den Pórtico de la Gloria der Kathedrale von Santiago sehen will, muss sich online registrieren.

Von Tobias Büscher

Der Jakobsweg ist nicht mehr was er war. Ok, der Weg ist weiterhin das Ziel (Konfuzius). Der Weg ist digitalisiert (nicht konfus). Und die Herbergen haben die Hälfte ihrer Doppelbetten entfernt, damit sich niemand zu nahe kommt (nicht kuschelig). Ab sofort wird es am Jakobsweg wieder lebhafter. Wobei: Kaum 250 Ankömmlinge in Santiago pro Tag sind nicht gerade der Renner, was sich bis Herbst aber noch ändern kann. Und den Kopf frei bekommen die Pilger so schnell auch nicht mehr. War es früher kult, das Handy zuhause zu lassen, geht das heute nicht mehr. Man braucht es, siehe Tipps unten.

Trotz der Pandemie haben sich im Jahr 2020 immerhin 2300 Deutsche in Santiago die Pilgerurkunde besorgt. Im Jahr zuvor waren es über 230.000. Und in diesem Jahr? Einige machen sich im Sommer schon auf den Weg. Und das Gepäck ist zwangsläufig schwerer: Zu Pflastern und Nylonstrümpfen kommen Masken und Hygienespray.

Derzeit feiern die Katholiken das Heilige Jahr, weil der 25. Juli als Jakobstag auf einen Sonntag fällt. Wegen Corona hat Papst Franziskus dieses Año Santo bis 2022 um ein Jahr verlängert. Ablass gibt es also bis zum 31. Dezember 2022.

Zweites Doppel-Jakobsjahr seit 1937

Das ist schon einmal passiert, bei einer anderen schweren Katastrophe für Spanien: Im Spanischen Bürgerkrieg hatte Papst Pius XI das Jakobsjahr für 1937 und 1938 anberaumt. Damit die Mistreiter Francos noch nach Santiago de Compostela gehen konnten, um Ablass zu erhalten.

Doch daraus wurde nichts. Der spätere langjährige Diktator Spaniens nahm Madrid erst 1939 ein. In dem Jahr, als Pius verstarb.

App zur aktuellen Lage in den Herbergen

Der Verein der spanischen Gemeinden am Jakobsweg AMCS hat eine App, die Pilger aktuell brauchen:

Vorteil: Die App zeigt ständig aktualisiert, ob eine Herberge geöffnet ist und wie viele Plätze noch frei sind.

Nachteil: Es gibt sie bislang nur auf Spanisch.

19 disponibles heißt: noch 19 Plätze frei.

Cerrado heißt: geschlossen, also gar nicht erst hingehen.

Digitaler Pilgerausweis

Den Pilgerausweis gibt es jetzt fürs Handy im Google Store.

Credencial Digital funktioniert wie folgt:

1. App installieren auf dem Handy

2. Mit dem Handy in Pilgerherbergen, Bars, an Schutzhütten oder Pfarreien den jeweiligen PR-Code scannen. Das ersetzt das Warten auf den Stempel im Pilgerausweis. Und den bislang üblichen Pilgerausweis aus Papier muss sich niemand mehr im Vorfeld besorgen.

Infos der Kathedrale von Santiago de Compostela

In einer Presseerklärung von Anfang Juni 2021 erklären die Verantwortlichen der Kathedrale von Santiago de Compostela: "También se puso en marcha un sistema de registro online, que permite que el peregrino introduzca con antelación los datos necesarios para la obtención de la Compostela, evitando la manipulación de papel".

Zu Deutsch: Die Pilger können sich online für den Erhalt der Pilgerurkunde im Pilgerbüro registrieren. Und auch die Urkunde selbst gibt es bereits digital. Wobei sie genauso aussieht wie früher aus Papier.

Übrigens: Wer das Eingangstor Pórtico de la Gloria der Kathedrale von Santiago sowie das Museum sehen will, muss sich registrieren und 12 Euro zahlen. Das war allerdings auch schon vor der Pandemie so.

PS: und hier ein Talk zum Tema im Radio mit Autor Tobias Büscher