Rodeo im Niemandsland: Cuspedriños

Wildpferde als Spektakel, wie es noch kein Tourist gesehen hat

Cuspedriños? Gehört zur Pfarrei San Xurxo de Sacos in der Gemeinde Cerdedo Cotobade. Liegt in der Provinz Pontevedra. Jahrelang bin ich schon als Buchautor in der Region Galicien unterwegs, wo sich das Dorf im Landesinnern befindet. Gehört habe ich den Namen erstmals im Sommer 2026. Zum Glück, denn der Wildpferde-Rodeo dort ist ein Ereignis.

Von Tobias Büscher (Text und Bilder)

Die WhatsApp-Nachricht erreicht mich am 15. Juli 2026 um 15.32 Uhr. Absender ist Cris, Leiterin eines coolen Landhauses in Cotobade (La Finca Veiga Mariña): „Hallo, wenn Dich das interessiert: am 2. August läuft ein Wildpferde-Rodeo in Cuspedriños. Viel berühmter ist der in Sabucedo. Dieser Rodeo ist viel kleiner, aber hier ganz in der Nähe.“

Das passt, schreibe ich ihr zurück. Denn vom 1. auf den 2. August hatte ich ohnehin vor, bei ihr in einem der kleinen Waldhäuser zu übernachten.

Cris kenne ich seit Jahren, und natürlich ist ihr Landhaus in den beiden Werken, die ich bei DuMont veröffentlicht habe, auch aufgeführt. Persönliche Tipps will der Verlag, kein Bewertungs-Zeugs, was so alles online unter Hotelbewertungen steht.

Wir Journalisten brauchen gute Informanten. Und Cris informiert unsere Redaktion besser als jegliches PR-Büro. Ohne sie würde es die Bilder (siehe unten) gar nicht geben.

"Dorfkirche, mindestens so groß wie eine Garage"

Schon während der Recherche erzählt mir ein galicischer Professor etwas über den Ort, dessen Name mit Piedra (Stein) zu tun haben muss. „Wir gehen nach Cuspedriños“ sei eine Umschreibung für „Wir gehen ins Niemandsland“.

Niemandsland in Galicien? Das Nest hat immerhin rund 60 Einwohner, darunter etwa zehn Prozent Venezuelaner. Die Dorfkapelle ist mindestens so groß wie eine Garage. Ein Café ist in Planung. Und es gibt einen Steinrund von der Größe eines kleinen Fußballfelds.

Pferde-Rodeo unter Nachbarn

Es ist Sonntag, 2. August 2026, 10 Uhr. Einen Parkplatz gegenüber der Dorfkirche zu finden? Kein Problem. Wenige sind zu sehen, auf reinrassigen Pferden. Abseits steht ein Feuerwehrauto.

Ich spreche zwei Männer an, wie sich herausstellt aus Venezuela. Wie auch immer die hier hingekommen sind, sie kennen sich aus. Der eine sagt: „Gleich bringen die Reiter eine Horde Wildpferde hierhin, sperren sie in den Steinrund dort ein, und dann gibt es ein Rodeo mit mutigen Jungs. Es wird dann sehr laut.“

Wird es.

Rapa das Bestas heißt das, und einige Orte in Galicien sind dabei sehr gut besucht. Das Fest schätzen Tierschützer nicht sehr, denn die Wildpferde, die nun zugeritten werden, haben zum Teil vorher noch nie einen Menschen gesehen. 

Bei den Rodeos achten die Betreiber darauf, erst einmal die Folen in einen separaten Pferch zu bringen, damit sie sich nicht im Tumult verletzen. Den großen Pferden werden die Mähnen gestutzt (rapar). Nach dem Rodeo galoppieren sie zurück in die Freiheit.

Es ist 11 Uhr. Nach und nach kommen die Anwohner und ein paar Leute aus den Nachbardörfern. Es sind ungefähr so viele Besucher da wie bei einem Drittliga-Spiel in Mittelhessen. Und keiner, buchstäblich keiner außer mir, ist von weiter weg angereist.

Zwei Typen sehe ich dort, mit Profikameras, einer davon arbeitet für den Faro de Vigo.

Er fragt: Woher kommst Du?

Antwort: aus Deutschland.

Sein Kommentar: unglaublich

Normalerweise ist bei solchen Events das Gerangel zwischen den Journalisten unerträglich. Hier ist alles ganz ruhig. Noch. Die Kollegen sprechen Spanisch, alle anderen Galicisch. Wer hier punkten will, braucht ein paar Worte. Das wichtigste: Graciñias heißt Danke.

Wenige Minuten später ist ein ohrenbetäubendes Hufgetrampel auf Asphalt zu hören. Der Rodeo beginnt. Hier die Bilder:

Krake auf Holztellern

Der Rodeo dauert gut 90 Minuten, danach haben alle Hunger. Es gibt Seekrake (pulpo), Seekrake und Seekrake. Und einen Krug Weißwein für die Zuschauer. 

Es ist 14. Uhr. Ich steige in mein Auto und fahre zurück zu Cris, um dort zu übernachten.

Sie fragt: Wie war es?

Cris, wie in einem turbulenten Wohnzimmer. 

Fazit: In den vier Wochen Recherche im August habe ich einiges erlebt. Eine Leuchtturmwärterin hat mir den Turm von innen gezeigt, ein Spielzeugsammler den ersten Tischfussball, erfunden von einem Galicier. Und Regisseur Dani de la Torre hat mich sogar zum Interview empfangen. Doch dieses Spektakel war einzigartig. Nicht so sehr wegen dem Rodeo. Sondern wegen dem familiären Ambiente.

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Kommentare :

  • user
    Toni 10/10/2026 um 22:27
    Gracias